Firmengeschichte

ALLES BEGANN MIT EINEM BUCHLADEN

 
 

Heute würde man es ein Start up nennen, was Heinrich Lensing da im Jahr 1870 in Dortmund gründet. Der Sohn eines Tabakzüchters- und händlers hat eine gute Zeit für einen Neustart gewählt. Das alte Dortmund hat zu dieser Zeit gut 40.000 Einwohner, wächst in rasantem Tempo. In Deutschland beginnt die Zeit der Hochindustrialisierung, die Wirtschaft boomt. Wo viele neue Arbeitsplätze entstehen, Menschen und Geld in die Stadt fließen, da lassen sich auch Bücher verkaufen. Bücher, die zuvor nur für die zahlungskräftige Oberschicht erschwinglich waren, sind zur Massenware geworden. Die maschinelle Herstellung von Papier, neue Druckpressen und die Erfindung der Rollenrotation lassen die Buchpreise dramatisch sinken. Breite Schichten können sich jetzt Bücher leisten. (Fotos: Lensing Media) 


Heinrich Lensing weiß das, als er am 1. Juli in der Rheinischen Straße 12 eine „Buch-, Kunst- und Musikalienhandlung“ eröffnet. Er ist 32 Jahre alt, hat als Lehrling und Gehilfe in einer Buchhandlung seiner Heimatstadt Emmerich gearbeitet, danach Buchhandlungen in Lohr und Aschaffenburg geleitet. Er ist Katholik und seine Bücher richten sich an die katholische Bevölkerung der Stadt. Er hat Erfolg.

Ein Jahr nach der Eröffnung fordern drei Pastöre ihn auf, einen Zeitungsverlag zu gründen. Lensing lehnt ab. Er habe genug mit seiner Buchhandlung zu tun und außerdem schlicht kein Geld – solange er keine reiche Frau finde, die er heiraten könne. Heinrich Lensing findet die passende Frau nicht, er bleibt bis zu seinem Tod im Jahr 1900 Junggeselle.

Allein bleibt er allerdings nicht in seiner Dortmunder Buchhandlung. 1871 folgt ihm sein 13 Jahre jüngerer Bruder: Lambert Lensing, 20 Jahre jung. Er ist schon als 18-Jähriger in Emmerich in politischen Versammlungen aufgefallen. In Dortmund verfasst er seine ersten Artikel für Zeitungen, die politisch der 1870 gegründeten katholischen Zentrumspartei nahestehen.

In Dortmund gibt es zu dieser Zeit mehrere Zeitungen, aber keine, mit denen sich die Katholiken der Stadt anfreunden können. Katholiken sind in der Minderheit. Schließlich machen die Gebrüder Lensing Nägel mit Köpfen. Am 1. Januar 1876 erscheint die erste reguläre Tageszeitung aus dem Hause Lensing. Es ist die Geburtsstunde der „Tremonia“. Der Untertitel lautet: „Organ für das katholische Volk“.

Ein mutiger Schritt in einer Stadt, in der zwei Drittel der Bevölkerung Anhänger der liberalen Fortschritts-Partei sind. Allerdings wird der Untertitel schon bald in „Zeitung und Anzeiger für Westfalen und Rheinland“ geändert. Lambert Lensing beschreibt die Reaktionen auf das Erscheinen der Tremonia später so: „Die Gegner waren konsterniert ob der Kühnheit. Wie konnte man es wagen, in dem ,Bollwerk des Liberalismus‘ ein solches Blatt herauszugeben!“

Die Tremonia erscheint in einer Auflage von 3000 Exemplaren zunächst dienstags, donnerstags und samstags. Das Drei-Monats-Abo kostet seinerzeit 1,50 Mark, ein Kilo Brot liegt bei etwa 25 Pfennig. Nach drei Monaten gibt es die Tremonia an sechs Tagen in der Woche, der Abopreis steigt auf zwei Mark.

Kämpferischer Stil und soziale Fragen stehen im Vordergrund

Inhaltlich macht sich die Tremonia mit ihrem kämpferischen Stil nicht nur Freunde. Sie rückt die sozialen Fragen in den Vordergrund, prangert Unternehmer an, die aus den französischen Entschädigungen nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 persönliche Gewinne abzwacken – zum Nachteil der Arbeiterschaft.

Im Rückblick berichtet Lambert Lensing über diese Anfangsjahre, „dass ein Teil der Großindustrie der Tremonia den Kampf bis aufs Messer ansagte und dass die Staatsanwaltschaft uns in besondere Obhut nahm. Fast wöchentlich fanden Haussuchungen statt in den Geschäftsräumen unseres Blattes, und keine Woche verging, ohne dass einer von uns Sündern vor den Kadi zitiert wurde.“

Die Tremonia macht sich zum Sprachrohr der Arbeiter in Lohn-, Arbeitszeit- und anderen sozialen Fragen. Die Chefs der Zechen und Stahlwerke toben und versuchen, Druck auszuüben. So versuchen sie beispielsweise herauszufinden, welche ihrer Arbeiter denn wohl die Tremonia abonniert haben.

Dem wirtschaftlichen Erfolg der Tremonia tut das keinen Abbruch. 1879 bezieht sie samt Buchhandlung und Druckerei neue, größere Räume am Westenhellweg. Der Standort wird in den Folgejahren stetig ausgebaut. Heinrich Lensing kümmert sich um die Buchhandlung, Lambert Lensing um die Zeitung. Zehn Jahre nach der ersten Ausgabe liegt die Auflage bei 7500 Exemplaren, es gibt 28 Agenturen – bis nach Velen, Waltrop, Hamm und Soest.

Politisch bläst der Tremonia weiter Wind ins Gesicht. Ihre kritische Haltung gegenüber der Politik Bismarcks und ihr Eintreten für die Interessen der Arbeiter gefällt weder den Industrie-Oberen noch dem Dortmunder Oberbürgermeister.

Das gipfelt in die Auseinandersetzungen während des großen Bergarbeiterstreiks 1889, in denen die Bergleute einen höheren Stundenlohn, geregelte Arbeitszeiten und freie Arztwahl fordern. Die Tremonia und ihre Redakteure werden vor Gericht gezerrt, der Magistrat der Stadt entscheidet, dass das Standesamt die Tremonia nicht mehr mit Nachrichten beliefern dürfe.

Schon vor dem großen Streik, im Februar 1887, muss Lambert Lensing eine sechswöchige Haftstrafe im Gefängnis in der Betenstraße abbrummen. Grund der Verurteilung: Er habe Bismarck beleidigt. 1891 folgt eine weitere Haftstrafe – diesmal dreieinhalb Monate im Gefängnis in Arnsberg. Lensing nimmt die Strafe mit Gelassenheit hin.

In der Jubiläumsausgabe zum 50-jährigen Bestehen der Tremonia zieht er 1926 Bilanz: „Im ganzen hat die ,Tremonia‘ in den Kulturkampfjahren 24 Preßprozesse erlebt, ihre verantwortlichen Redakteure haben insgesamt eineinhalb Jahre Gefängnis und ca. 5000 Mark Geldstrafe zu zahlen gehabt. Manchmal hat sie vor dem Ruin gestanden, aber sich doch nicht unterkriegen lassen.”

 

Exkurs: Lambert Lensing I. als Politiker
Zeit Lebens engagiert sich Lambert Lensing in der Zentrumspartei. Von 1891 bis zu seinem Tod 1928 sitzt er – mit einer Unterbrechung von 1910 bis 1912 – für das Zentrum im Rat der Stadt Dortmund, 34 Jahre lang ist er der Chef seiner Fraktion. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund. Als nach dem Ende des Ersten Weltkriegs Dortmund von Arbeiter- und Soldatenräten beherrscht wird und Chaos herrscht, erklärt er, die Mehrzahl dieser Arbeiter- und Soldatenräte bestehe aus Leuten, „die von der Selbstverwaltung und ihren Erfordernissen keine Ahnung haben. Sie sitzen am Telefon, tun sich wichtig, lassen mit den Gewehren spielen, essen und trinken gut, spielen Karten, fahren in respektablen Autos, gebärden sich ungemein wichtig, kosten der Gemeinde heidenmäßig viel Geld.“ Diese offenen Worte muss Lensing teuer bezahlen: Sein Landhaus in der Wittbräucke wird geplündert und niedergebrannt.


Höhepunkt seines politischen Wirkens ist seine Berufung in den Reichsrat von 1921 bis 1928. Zu seinem 75. Geburtstag verleiht ihm die Uni Münster „in Anerkennung seiner Bestrebungen auf dem Gebiete des Zeitungswesens, der Kommunalpolitik und der Sozialpolitik“ die Ehrendoktorwürde. Der Dortmunder Stadtrat zeichnet ihn mit der Stadtplakette aus und benennt eine Straße nach ihm – eine von der Semerteichstraße abzweigende Sackgasse.

Mit seiner Unterstützung wird in Dortmund das Institut für Zeitungsforschung gegründet. Lambert Lensing ist auch ein Familienmensch. Mit seiner Frau Wanda Rittweger, die er 1877 geheiratet hat, feiert er 1927 die Goldene Hochzeit, zu der unter anderem sein Sohn Lambert, fünf Töchter und 16 Enkel gratulieren. Am 18. Dezember 1928 stirbt er.

Das Zeitalter der Massenpresse beginnt

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert beginnt das Zeitalter der Massenpresse auch in Dortmund. Zwischen dem 1. Oktober 1895 und dem 1. April 1906 erscheint die Stadtausgabe der Tremonia zweimal täglich mit je vier Seiten, am Samstagnachmittag gibt es sogar zwölf Seiten.

Bis 1909 steigt die Zahl der verkauften Zeitungen auf 35.000 Exemplare. Die Tremonia sieht sich starker Konkurrenz gegenüber: der Morgenpost und dem Generalanzeiger, die 1905 fusionieren und mit 84.000 Abonnenten den Markt beherrschen. 1914 liegt die Zahl der Abonnenten der Tremonia bei 40.000, die des Generalanzeigers bei 125.000.

Mit dem Ersten Weltkrieg sinken Anzeigenerlöse und die Zahl der Abonnenten, Papier ist knapp und teuer, Inflation und Besatzung stürzen viele kleine Verlage in die Krise. Durch den Kauf der Ahauser Kreiszeitung und des Arnsberger Central Volksblattes versucht die Tremonia, verlorenes Terrain zurückzuerobern.

Und nach dem Krieg wird es nicht besser: Die französische Besetzung, die zwischen 1923 und 1925 im Ruhrkampf gipfelt, ist für die Tremonia eine überaus harte Zeit. Der Handel mit dem besetzten Ruhrgebiet wird streng überwacht, das Anzeigengeschäft bricht ein, die Abozahlen sinken.

Die Zeitung wird – wie alle anderen auch – von den Besatzungsbehörden streng kontrolliert, mehrfach wird die Tremonia wegen „tendenziöser und aufreizender Artikel“ verboten. Der 1919 in den Verlag eingetretene Lambert Lensing junior landet für mehrere Wochen in Untersuchungshaft und kommt erst gegen Zahlung einer Geldstraße wieder auf freien Fuß.

„Am Schluß des Ruhrkampfes war die ,Tremonia‘ wirtschaftlich aufs schwerste erschüttert. 60 Prozent ihres Inserenten- und fast 35 Prozent ihres Abonnentenbestandes hatte sie verloren“, schreibt Lambert Lensing II. 1926. Und über die ersten fünf Jahre seines Wirkens nach dem Tod des Vaters 1928 schreibt er später in einem Rückblick: „Die wirtschaftliche Scheinblüte der zwanziger Jahre ging nach Überwindung der Inflation ihrem Ende entgegen. Die Arbeitslosenzahlen im Industriegebiet stiegen gewaltig, die allgemeine politische Ratlosigkeit, ausweglos erscheinendes Elend der Arbeiter-Massen, waren Wegbegleiter Adolf Hitlers und seiner Irrlehren.“

Tremonia steht unter strenger Beobachtung

Mit dem Machtantritt der Nazis verschärft sich die Lage durch den Totalitätsanspruch der Partei, gerade in Bezug auf die Presse. Die Tremonia hat sich vor dem Ende der Weimarer Republik kritisch mit Hitler auseinandergesetzt. Nach der Machtübernahme steht die Tremonia unter strenger Beobachtung der NSDAP-Dienststellen in Dortmund, es wird belastendes Material über ihre Leser und Inserenten gesammelt.

Lambert Lensing muss sich vor der Gestapo rechtfertigen, warum er trotz eines Verbots Anzeigen von „nichtarischen Lesern“ annehme. Seine Antwort: „Können Sie sehen, wenn ein Kunde zum Schalter kommt, ob er ein Jude ist oder nicht?“

Im März 1933 dringen SA-Leute in den Verlag ein, treten und schlagen Lensing. Im Februar 1934 muss die Tremonia für mehrere Tage ihr Erscheinen einstellen und sich dann entschuldigen, weil den Nazis ein Artikel nicht passt. Die Tremonia wird gezwungen, auf kritische Berichterstattung über die Nazi-Diktatur zu verzichten.

Ende 1944 liegt die Auflage nur noch bei rund 25.000 Exemplaren. Im Mai 1943 treffen Bomben das Verlagshaus, im März 1945 wird es bei Bombenangriffen nahezu vollständig zerstört. Trotzdem erscheint die Tremonia bis fast zum Ende des Krieges.

Als der Zweite Weltkrieg zu Ende ist, steht Lambert Lensing privat und beruflich vor den Trümmern seines Lebens. Der jüngere Sohn Helmut Heinrich ist 1943 in Russland gefallen, der ältere Sohn Lambert 1944 an der Ostfront vermisst – er wird 1957 nach dem Tod seiner Mutter Luise für tot erklärt.

Das Verlagshaus liegt in Schutt und Asche. Lambert Lensing gibt dennoch nicht auf. Ein Keller des Verlagshauses, in dem Rotationsmaschinen stehen, hat den Bombenhagel überstanden. Hier wird bereits ab Mitte Mai 1945 wieder gedruckt – allerdings keine Zeitung aus dem Hause Lensing.

Besatzer wollen die Presse kontrollieren

Die Alliierten lassen nach dem Krieg Zeitungen nicht einfach wieder zu. Zum einen ist Papier knapp und wird zugeteilt, zum anderen wollen die Besatzer die Kontrolle über die Presse behalten. Folglich gibt es bis September 1949 keine Zeitung ohne Lizenz.

Bereits 1945 bekommt Lambert Lensing vom zuständigen britischen Presseoffizier die Zusage für eine solche Zeitungslizenz. Allerdings diskreditiert ein anonymer Denunziant den Verleger als Kollaborateur der Nazis. Zwei Jahre lang kämpft Lensing um seine Reputation, ehe er 1947 vollständig rehabilitiert wird. Dennoch dauert es bis zum 1. März 1949, ehe nach der endgültigen Lizenzerteilung die erste Ausgabe der Ruhr Nachrichten erscheinen kann. Mit dem neuen Titel und einer Auflage von mehr als 120.000 Exemplaren startet Lambert Lensing in ein neues Zeitungszeitalter.

Die erfolgreiche Tremonia als ehemals zentrumsnahes Organ will er bewusst hinter sich lassen. Eine parteiungebundene, wirklich unabhängige Presse über Dortmund hinaus ist sein Ziel. Zeitung und Politik sind in seinen Augen zwei Dinge, die von da an unbedingt getrennt gehören.

Er selbst bleibt zwar viele Jahre Vorsitzender der CDU in Nordrhein- Westfalen, legt aber größten Wert auf die politische Unabhängigkeit seiner Zeitung. Seinen Nachfolgern rät er, sich für die Zeitung oder ein politisches Mandat zu entscheiden. Seine Maxime lautet: „Wenn die Politiker mit der Zeitung zufrieden sind, ist sie schlecht.“

Die Ruhr Nachrichten haben es nicht einfach. Immerhin haben sie nach dem Krieg nur verspätet starten können, die sogenante Lizenzzeitungen – allen voran die Westfälische Rundschau – haben einen deutlichen Vorsprung. Die Ruhr Nachrichten bleiben zunächst – mit Ausnahme von Dorsten und Haltern – überall nur zweitgrößte Zeitung.

Aber der Verlag kämpft und investiert. 1957 wird am Westenhellweg ein neues Verlagshaus gebaut. Im selben Jahr tritt Florian Lensing- Wolff, der Neffe und Adoptivsohn von Lambert Lensing, in den Verlag ein, 1959 in die Unternehmensleitung. Nach dem Tod von Lambert Lensing im Jahr 1965 führt er den Verlag allein.

 

Exkurs: Lambert Lensing II. als Politiker
Lambert Lensing ist ein engagierter Politiker. Bereits in den 1920-er-Jahren ist er im Vorstand der westfälischen Deutschen Zentrumspartei. Zwischen 1929 und 1933 sitzt er für das Zentrum in der Dortmunder Stadtverordnetenversammlung. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehört er am 2. September 1945 zu den Mitbegründern der CDU in Westfalen und übernimmt bis zum 20. Juni 1946 deren Vorsitz. Er wird in den Parlamentarischen Rat berufen und zählt damit zu den Vätern des Grundgesetzes. 1949 ist er Mitbegründer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger. Zwischen 1951 und 1959 ist er erneut Vorsitzender der CDU Westfalen, von 1954 bis 1958 wirkt er für die CDU als Abgeordneter im nordrheinwestfälischen Landtag.


Die folgenden Jahrzehnte sind geprägt vom Ringen um Marktanteile. Der WAZ-Konzern kauft zu Beginn der 1970er- Jahre die Westfalenpost, die Westfälische Rundschau und die Neue Ruhr Zeitung. Ein mit allen wirtschaftlichen und publizistischen Mitteln geführter Kampf David gegen Goliath, der auch in zahllosen Gerichtsprozessen ausgetragen wird, beginnt.

Der David Ruhr Nachrichten kann sich behaupten. Allerdings müssen im Laufe der Jahre zahlreiche Lokalteile aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben werden. Dazu zählen unter anderem Gronau, Mülheim, Hattingen und Essen, später dann unter anderem Bottrop, Gladbeck und Gelsenkirchen.

Auf der anderen Seite wird immer wieder investiert, etwa durch den Kauf der Schwerter Zeitung (1967), eine Beteiligung am Verlag Bauer in Recklinghausen (1975), den Kauf der Münsterschen Zeitung (1985) und der Emsdettener Volkszeitung (1989). Ab 1990 beteiligt sich der Verlag auch an den Betreibergesellschaften der Lokalradios in seinem Verbreitungsgebiet, etwa an Radio 91.2 in Dortmund.

Technisch investiert der Verlag ständig, bei der Umstellung von Blei- auf Fotosatz ab 1971 ebenso wie beim Wechsel vom Buch- zum Offsetdruck, der 1981 mit dem Bau eines neuen Druckhauses in Dorstfeld ermöglicht wird.

1990 folgt der Bau eines neuen Druckhauses in Münster. 2008 werden beide Druckhäuser umfangreich modernisiert. Gleichzeitig löst zu Beginn der 1980er-Jahre in den Redaktionen der Computer die Schreibmaschine ab, 1992 beginnt mit einem neuen Redaktionssystem das Zeitalter des elektronischen Ganzseitenumbruchs. Das Layout der Zeitung wird erstmals 1963 durch einen externen Grafiker modernisiert und leserfreundlicher, der Blockumbruch hält Einzug.

Zu Beginn der 1980er-Jahre gibt der amerikanische Design-Professor Rolf Rehe der Zeitung ein neues, klar geordnetes, modernes Aussehen. Mit dem Start der Seite MZ-online beginnt 1996 das Online-Zeitalter im Medienhaus Lensing, das vor allem durch den 1997 in die Geschäftsführung eingetretenen Lambert Lensing-Wolff vorangetrieben wird. Das führt auch in den Redaktionen zu einem neuen Denken. Die Produktion von Online-Inhalten gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Ehemalige Zeitungsredaktionen werden zu multimedialen Produktionseinheiten. Das Newsdesk-Zeitalter beginnt. Vorreiter ist dabei die zentrale Mantelproduktion, die 2003 als „Westpool“ an den Start geht, die Umstrukturierung auch der anderen Redaktionen schließt sich an. Das Medienhaus Lensing gilt vielen Verlagen in ganz Deutschland als Vorreiter. Dabei wird vieles ausprobiert, manches später verworfen, anderes weiterentwickelt und optimiert.

2011 stirbt Florian Lensing-Wolff, der das Haus mehr als fünf Jahrzehnte lang geschickt und erfolgreich durch alle Höhen und Tiefen geführt hat. Im selben Jahre wird der Grundstein für das Lensing-Carrée gelegt, das ein Jahr später eröffnet wird. Es verbindet ein modernes Medien- und Geschäftshaus mit einem Konferenzzentrum, dem Lensing-Carrée Conference Center.

Lensing Media: ein modernes Medienhaus

2013 starten die ersten digitalen Premiumangebote der Zeitungstitel. Die Entwicklung ist zu einem laufenden Prozess geworden, der in raschen Zyklen Veränderungen, Anpassungen und Korrekturen erfordert. Das neue Medienverhalten der Menschen, die durch Online erschlossenen neuen Informationskanäle, Social- Media-Plattformen, die die weltweiten Kommunikationsmöglichkeiten revolutionieren – all das sind Themen, denen sich das moderne Medienhaus stellt. Das spiegelt sich auch im Namen Lensing Media wider, den das Haus seit 2018 trägt.

Die Analyse von Daten ist zu einem zentralen Baustein der Arbeit geworden. Genaue Kenntnisse über das Leseverhalten der Online- und Printnutzer, über die sie interessierenden Themen, eine optimale Leser- und User-Führung helfen beim Verständnis dessen, was der Kunde wann zu welchem Zeitpunkt in welcher Form und dennoch immer wieder überraschend angeboten haben möchte. Die Perspektive des Kunden war immer schon der zentrale Kompass für das Haus Lensing. Im 150. Jahr seines Bestehens ist es dank genauer Datenanalyse für jeden Redakteur möglich geworden, sich in Echtzeit an diesem Kompass zu orientieren.

All das ist Herausforderung und Chance zugleich. Und damit ähnelt die heutige Aufgabe von Lensing Media der Situation, in der sich 1870 Heinrich Lensing befand, als er in Dortmund eine Buchhandlung eröffnete.