Aileen Kierstein: Mein Volontariat bei Lensing Media
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Mitarbeiterstories

Aileen Kierstein: Mein Volontariat bei Lensing Media

Jeder Arbeitstag im Leben eines Redakteurs ist anders: aktuelle Themen, neue Termine, andere Menschen. In seiner Laufbahn hat er sich ein dichtes Netzwerk aufgebaut, kennt die richtigen Quellen für seine Geschichten und hat wahrscheinlich sogar ein Spezialgebiet.

Ich persönlich würde also behaupten, jeder Arbeitstag im Leben eines Volontärs ist um ein Vielfaches aufregender: Denn wir Volontäre stehen noch ganz am Anfang, wollen genau dahin, wo unsere Kollegen längst angekommen sind. Und mit ihrer Unterstützung wird aus kribbelnder Aufregung plötzlich Sicherheit.

Starten wir also mit etwas Routine in den Arbeitstag: Der beginnt für mich nämlich schon mit dem E-Paper auf dem Smartphone in der Bahn. Nach der morgendlichen Fahrt und einem kurzen Fußmarsch zum Pressehaus bin ich erst einmal auf dem neusten Stand (man kann die Uhr danach stellen, dass ich mich in drei oder vier Artikeln besonders verliere und deswegen nicht alles lesen kann).

Wie es dann weitergeht, würde ich an dieser Stelle gerne pauschalisieren – kann ich aber nicht. Mal gehe ich ganz normal in die Redaktion, konferiere mit den Kollegen über heutige und zukünftige Themen, checke meine Mails und setze Recherchen fort, die noch auf ihren Abschluss warten. An anderen Tagen treibt es mich direkt zum Termin – für die Lokalredaktionen bin ich dann überall in der jeweiligen Stadt unterwegs, für die Kultur-Redaktion erkunde ich Museen, Konzerthäuser oder auch ungewöhnlichere Orte wie den Dortmunder Hafen.

Und auch hier habe ich eine gewisse, wenn auch ironische Routine erkannt: Kein Termin gleicht dem anderen, sie alle halten ihre eigenen Überraschungen für mich bereit. Während ich also mit Musikern, Lehrern, Politikern oder Wissenschaftlern spreche, verläuft meine Recherche nicht selten in eine andere Richtung – manchmal ergibt sich daraus auch eine ganz neue Geschichte.

Zurück vom Termin geht es erst einmal darum, das Gehörte und Gesehene zu verarbeiten und zu ordnen. Ich habe in meiner bisherigen Volo-Karriere die Erfahrung gemacht, dass ich die Stücke aus dem brüchigen Exposé in meinem Kopf am besten direkt aufschreibe. Und es ist von vielen Momenten immer der beste (Willkommen zurück, liebe Routine!), wenn sich aus der blassen Blaupause meiner Gedanken mal langsam, mal schneller die Geschichten formen, die ich erzählen will. Am Schluss einer jeden Recherche, mit einem fertigen Artikel in der Hand, bin ich dann ein kleiner, stolzer Experte für verschiedenste Themengebiete.

Und es ist noch viel mehr als das: An jedem einzelnen Tag bin ich nicht bloß Journalistin, sondern auch Wahrheitssuchende, die Fakten und Argumente prüft; eine Art Lehrerin, die abstrakte Zusammenhänge entwirrt; eine Gestalterin, die Bild und Text verbindet und Momente festhält – sowohl im Print als auch Online oder in Sozialen Medien.

Wenn die letzte Seite auf Fehler überprüft wurde und in den Druck gehen kann, ist der Arbeitstag meist geschafft. Das ist noch so eine Besonderheit: Am Ende eines jeden Tages wird man mit dem fertigen Produkt belohnt und sieht, was man erreicht hat.

Immer wieder habe ich in den vergangenen Monaten nach Automatismen, blinden Gewohnheiten gesucht. Die gibt es im Arbeitsalltag des Journalisten nur selten: Man ist draußen unterwegs, dann wieder drinnen am Schreibtisch. Man hört zu, schreibt, fotografiert und lernt nebenbei so viele Menschen kennen. Die journalistische Routine ist impulsiv, flexibel und ungehemmt. Und wenn der Arbeitstag vorbei ist, kommt bei mir immer die Erkenntnis, dass ich mich in nicht enden-wollender Stereotypie gar nicht wohl fühlen würde.